Das Geschenk Mulsum Destructors

 

Es war ein schlechter Tag für Alexius. 

Eigentlich waren alle seine Tage schlecht seit seinem Abschied aus der Legion. Nach 20 Jahren Dienstzeit hatte er seine Entlassungspapiere erhalten, doch als Prämie hatte er statt dem erhofften Beutel mit 10 Wols nur Grund und Boden zugewiesen bekommen. 10 Wols, das wäre mehr als das zehnfache des Monatslohns eines 

Handwerkers gewesen! Der Protector, Gaius Brutus Mulsum Destructor, hatte damit auf eine alte Tradition zurückgegriffen. Dummerweise lag das ihm überschriebene Land im Bereich Trans Mures, also jenseits des Limes, in den sogenannten Chaosmarken. Das Gebiet nahe der Grenze zu den Choson wurde von Banditen und schlimmerem heimgesucht, dort herrschte allenfalls Faustrecht.

Hatte der alte Mulsum Destructor damals vielleicht doch etwas mitbekommen?

Vor Neun Jahren hatten Alexius und einige seiner Kameraden versucht, einen Teil des nahe Zaga erbeuteten clanthonischen Schatzes beiseite zu schaffen. Ihr Plan war vereitelt worden noch bevor sie ihn ausführen konnten und sie hatten sich seit dem in Sicherheit gewähnt. Was blieb ihm also für eine Wahl, als das 'Geschenk' zähneknirschend anzunehmen? Wer würde Land in so einem Gebiet kaufen? Also suchte Alexius unter seinen Bekannten nach Begleitern und brach auf.

Nun war auch noch das Rad eines Wagens seiner kleinen Reisegemeinschaft steckengeblieben. Als Alexius das Problem mit Hilfe des Sohns seines verstorbenen Kameraden Solius behoben hatte, konnten sie ihre Reise fortsetzen.

Doch bereits nach wenigen imperialen Meilen zeichnete sich etwas in der Entfernung ab. Die Silhouette eines Gebäudes. Ein hoher runder Turm und ein Haupthaus mit einem auffällig gekrümmten Dach. Was bei allen Göttern hatte eine agenirische Burg in dieser Einöde in Huanaca zu suchen?

Vielleicht hätten sie doch die Huas in dem Dorf, das sie an diesem Morgen passiert hatten, näher über ihren Zielort befragen sollen?


Der kleine Zug setzte unbeirrt den Weg zu seinem Ziel fort.

Es machte den Eindruck, als sei die Burg nicht bewohnt. Einige Bereiche wirkten von Außen baufällig; die ganze Anlage schien ungepflegt. Kein Rauch von Feuern, keine Bewegung in ihrer Umgebung. Aber Alexius hatte nicht das Ende seiner Dienstzeit erlebt, weil er unvorsichtig war.


„Wir lagern außerhalb der Mauern. Morgen ist bei Tageslicht immer noch Gelegenheit sich diesen Klotz anzugucken“, verkündete Alexius.

20 Jahre Dienst in der Legion hatten auch für etwas anderes gesorgt: Der Veteran fühlte sich ohne den Schutz einer Befestigung, zumindest eines Marschlagers, nicht ganz wohl. Also ordnete er an, einige Steine, die viel­leicht einmal Teile einer Mauer gewesen waren, bei den auf­ge­schla­genen Zelten aufzuschichten.

Er guckte sich während­dessen in einiger Entfernung der Zelte nach weiteren Steinen um. Als er einen passenden Stein nach ein wenig Grabarbeit anhob, sah Alexius etwas im Licht der frühen Dämmerung glitzern.

War das tatsächlich … Gold?