Einer redet immer

Dorf in der Nähe der Goldstadt, Chaosmarken, Flora Maritima, Huanaca, Reich des Feuers

Plauto war ein Dummkopf.

Vielleicht auch nur ein angeborener Trottel.

Lag es vielleicht in der Familie? Schon sein Vater Solomnes hatte sein Vermögen wieder verschwendet und war als demütiger Bettler bei seinem Bruder Alexius untergekrochen, als dieser in die Berge zog.

Und dort das Gold fand.

Alexius war klar gewesen, dass niemand von diesem Fund erfahren durfte und alle Bewohner der Siedlung zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet. Vor allem Xango, Tiro und Plauto, die er zu der kleinen Siedlung in der Nachbarschaft gesandt hatte um Sachen zu beschaffen.

Und nachdem sie die Sachen besorgt hatten beschäftigte sich Tiro mit den Pferden, Xango mit Pulque und der junge gerade geschlechtsreife Plauto mit einem der Mädchen, das ihm aber schnell klarmachte das ihre Vorliebe eher den Goldmünzen galt, von denen der junge Mann wenig dabei hatte. Dafür köderte er sie mit Aussicht auf mögliche weitere Besuche. Und obwohl sein Beutel klein war es seine Stimme nicht.

Wann das Wort Gold fiel war später nicht mehr festzustellen, aber es fiel.

Und als das Trio wieder zur Ruine zurückzog hatte das Mädchen noch nicht einmal die Röcke zurückgeschlagen als ein Mann in das Dorf ritt. Er gehörte zu einer der Banden in den Chaos-Marken und war damit ein gefährlicher Mann. Und ein guter Reiter, zu mindestens was die Schankmädchen anging.

Und er war ein guter Zuhörer.

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Tage später

Die Truppe aus den Chaos-Marken waren keine der üblichen Rebellen, Diebe oder Chaos-Anhänger, welche sich mehrheitlich hinter dem großen Wall versteckten. Man konnte sie vielleicht mit den Worten wehrhafte Nichtsteuerzahler umschreiben.

Aber auch für das Privileg keine Steuern zu zahlen brauchte man Waffen und so bildete die Gruppe keinen ungefährlichen Faktor als sie sich der Burg näherte. »Wir wollen ein Teil des Goldes«, erklärte ihr Anführer.  Und Alexius wurde klar das hier jemand geredet hatte.

Nachdem er sich mühsam mit den Besuchern auf ihren Anteil am Goldfeld geeinigt hatte fiel sein Verdacht natürlich auf die drei Personen, die als einzige das Umfeld der Ruine verlassen hatten.

Xango verstand nicht wovon sein Herr redete. Wieso glaubte der Herr ihm nicht? Tiro hatte selbst für seinen misstrauischen Vielleicht-Vater noch eine eine zu ehrliche Seite.

Also nahm sich Alexius Plauto vor.

Und der verleumdete Xango. »Er hat mit einigen Hua Würfel gespielt und da gab es noch viel Pulque. Ich weiß nicht was dort alles besprochen worden ist.« Dem jungen Lügner war natürlich klar das er sehr geschickt erzählen musste.

Aber seinen Onkel schien das nicht zu interessieren. Irgendwer hatte ihn verraten und Plauto hatte ihm einen Schuldigen geliefert? Ohne das er sah wie sein Neffe anschließend aufatmete machte er sich auf die Suche nach Xango.

Und dann gingen beide Männer auf die Jagd.

Einer kam wieder.

Alexius erzählte nichts und Plauto versuchte zu vergessen.

Einer redet immer

Jens Kosch + Uwe Gehrke

 

Berlin-Hannover, Oktober 2014